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Eröffnung Freilichtmuseum Himmelreich am 25.7.2009

Auszug aus dem Bericht des Obmanns Guido Mark

Hochverehrte Frau Landesrätin,
meine Herren Bürgermeister aus Wattens und Volders mit ihren GemeinderätInnen, verehrte Damen und Herren der Universität, liebe treue Mitglieder des Heimatkunde- und Museumsvereins, werte Freunde und Sympathisanten, meine Damen und Herren von der Presse!

In der heutigen Gesellschaft ist ein auffallendes Interesse festzustellen, Vergangenes zu erfahren und wieder aufleben zu lassen.
Ist es die Nostalgiewelle, die uns dabei bewegt?
Wie anders ist es zu erklären, dass die Museumslandschaft in Tirol und darüber hinaus im gesamten deutschsprachigen Raum einen ungeahnten Aufschwung erfährt. 170 museale Einrichtungen gibt es derzeit in unserem Lande, jährlich werden es mehr.
Die Besucherzahlen in den Museen widerspiegeln diesen Trend allerdings nicht. Diese sind, mit Ausnahme der großen Museen im Lande wie dem Landesmuseum und dem sensationell gestalteten Volkskunstmuseum, eher dürftig. Was veranlasst also die vielen Idealisten in einen Markt zu investieren, der ohnehin übersättigt ist?

Wahrscheinlich ist es neben dem Bedürfnis, einmal Gesammeltes auch herzeigen zu wollen, doch auch ein Stück Liebe zur Heimat, wie es der Südtiroler Heimatdichter Fink ausdrückt wenn er meint:
Wer seine Heimat liebt, muss etwas für sie tun.
Diese, immer geringer werdende Spezies ist es also, die unberührt von den nicht zu erwartenden Besucherströmen, mit ihren kleinen Heimatmusseen wertvolle Kulturarbeit leistet und sich bemüht, die Geschichte ihrer Dörfer und Städte lebendig zu erhalten, um sie den nachkommenden Generationen zu überliefern

In welchem Zusammenhang ist dabei die museale Darstellung der Rätersiedlung am Himmelreich zu sehen, die wir der Einfachheit halber Freilichtmuseum Himmelreich nennen?

Wir haben nichts neu erfunden, die Strukturen sind vor 2500 Jahren entstanden und wurden vor 50 Jahren entdeckt.
Was veranlasst also den Heimatkunde- und Museumsverein Wattens-Volders, an den vorhandenen Strukturen hier am Himmelreich etwas zu ändern?

Durch die „Ötziforschung“ des unvergessenen Prof. Konrad Spindler ist in Tirol ein Interesse für Archäologie entstanden, das es vorher nicht gab.
In diesem Klima wurde es für den Verein als Betreuer des kulturellen Erbes von Stainer und Kasseroler denkmöglich, neben seinen sonstigen Aktivitäten wie der Herausgabe von Heimatkundlichen Blättern, auch die Rätersiedlung am Himmelreich als archäologische Kostbarkeit in einem neuen Kleid anziehend und interessant zu gestalten

Für die Realisierung des heute vollendeten Projekts gab es zwei Auslöser:

1. Starke Unwetter zu Beginn dieses Jahrhunderts haben den im Südwesten angrenzenden Wald stark in Mitleidenschaft gezogen und einen Gutteil des Baumbestands entwurzelt.
In den Jahre 2005 und 2006 wurde das Zerstörungswerk des Unwetters durch weiteren Baumwurf in die Ausgrabung herein vollendet und ein Teil des aufragenden Mauerwerks und des Ringwalls zerstört.
Ein den ganzen Hügel überwuchernder Springkrautbefall tat sein Übriges.


Auf diese Schäden mussten wir reagieren!

2. Bei der Hauptversammlung im Jahre 2007 zeigte uns die junge Architektin Daniela Egger mit ihrer Diplomarbeit über das Himmelreich Möglichkeiten auf, die bisher nicht angedacht waren.

Ihr Vorschlag beinhaltete im Wesentlichen:
• nicht nur die Wiedersichtbarmachung der angenommenen Kubatur der rätischen Häuser, wie wir es hier und heute sehen,
• sondern auch einen Aussichtsturm auf der Spitze dieser Felskuppe, der in anderer Form von der Gemeinde mit einer Aussichtsplattform beim Fitness-Parcours realisiert wurde,
• ein angrenzendes Museum mit der Ausstellung der hier gefundenen Artefakte,
• die Neuerrichtung von Wegen und deren Beschilderung, von Ruhezonen u.v.a.m.

Darauf hin entschloss sich der Verein definitiv zur Sanierung und Adaptierung der Anlage, die über 50 Jahre im Zustand der ursprünglichen Freilegung belassen worden war.

Vor Beginn der Adaptierungsarbeiten musste jedoch die stark beschädigte Anlage wiederhergestellt werden. In monatelanger, penibler Kleinarbeit hat Franz Brunner, der wohl exzellenteste Fachmann für alte Gemäuer, unter Anleitung von DI Walter Hauser vom Denkmalamt die teilzerstörten Strukturen instand gesetzt.

Dann ging es um die Erweiterung. Die geplanten Kosten für die Aufstellung von 11 Stelen und die Sichtbarmachung der angedachten räumlichen Kubatur beliefen sich auf € 70.000,--, mit dem nunmehr freigegebenen Blick in die Zisterne, der bisher aus Sicherheitsgründen mit einer Stahlplatte verwehrt war, wurden es 77.000,--.

Mit finanzieller Hilfe, die wir von der Gemeinde Wattens zugesagt erhielten, aber auch durch eine großzügige Förderung des Landes Tirol sowie einem nicht namentlich genannt werden wollenden Mäzen konnten wir mit den Arbeiten beginnen.

Ein über fast zwei Jahrzehnte angespartes Vereinsvermögen, das eigentlich für den Neubau des Museums geplant war, musste aufgewendet werden.

Als vorrangig erschien uns eine Besucherinformation mit der Beschreibung der Rahmenbedingungen, unter denen die Menschen hier gewohnt haben.
Wer waren diese Leute, woher kamen sie und warum verschwanden sie. Wie haben sie gelebt, sich ernährt und gekleidet. Mit welchen Werkzeugen haben sie gearbeitet, wie war das damals mit dem Wald, der Umwandlung der Natur in eine Kulturlandschaft. Wie war das Klima – wärmer oder kälter, wie wurde Landwirtschaft betrieben, wie war das mit den Göttern?

Diese Fragen versuchen wir – in gestraffter Form – auf den wetterfesten Glastafeln zu beantworten. Im Fernsehzeitalter nehmen wir an, dass die gewählte Art der konzentrierten Information eine größere Chance auf Akzeptanz hat als umfassende Erläuterungen.

Die Texte dazu wurden in dankenswerter Weise durch Prof. Gerhard Tomedi, durch den im vergangenen Jahr verstorbenen Klimatologen Prof. Franz Fliri aus Baumkirchen, in der Endredaktion durch unseren wissenschaftlichen Beirat, Prof. Harald Stadler sowie durch eigene Ergüsse erstellt.

Die technische Durchführung der Arbeiten oblag der Fa. TEGA Stahlbau mit Ing. Günther Staudinger. Der zur Verankerung der Stelen notwendige Fels ließ uns leider im Stich. Die Firma Fröschl hat hier die fundierende Arbeit geleistet.

Alle baulichen Maßnahmen erfolgten unter steter Anleitung und in Abstimmung mit Herrn DI Walter Hauser vom Denkmalamt für Tirol und Herrn Prof. Gerhard Tomedi vom archäologischen Institut der Universität Innsbruck.

Der von uns selbst gesetzte Zeitrahmen war eng, die Bodenbeschaffenheit durchwachsen und das Wetter spielte im heurigen Jahr eine besondere Rolle.

Nun sind wir fertig und ich habe zu danken:
• unserer jungen Architektin – Frau Baumeister Dipl. Ing. Daniela Egger für die Idee und die gewissenhafte Bauaufsicht,
• den bereits genannten Herren der Archäologie und des Denkmalamtes für alle Expertisen und guten Ratschläge zur Umsetzung.

Ich danke den ausführenden Firmen:
• der Fa. Tega- Bau mit Ing. Staudinger für alle Stahlarbeiten. Seine Fachleute leisteten nicht nur eine gediegene Wertarbeit – sie haben auch die erforderlichen 5000 Kilo Stahl und Glas auf ihren Schultern hier herauf getragen,
• der Fa. Fröschl Bau für die Fundamentierungen (6 m³ Beton, das sind 12.000 Kilo, wurden die letzten 50 Meter mit Kübeln herauf geschleppt – eine enorme Leistung.
• der Fa. Waldhard für die Glaserarbeiten
• sowie der grafischen Anstalt Wazlawek für die Drucktechnik.

Mein besonderer Dank gilt
• unserem Denkmalpfleger Alois Kröll, den wahrlich guten Geist des Himmelreichs,
• den bereits genannten Mit-Finanziers Land Tirol, Gemeinde Wattens und dem ungenannt bleiben wollenden Mäzen,
• der Gemeinde Volders für die Ermöglichung vieler kleinerer Arbeiten des Bauhofs,
• den Anrainern Franz und Margarethe Konzert für ihre kooperative Art und die vielen Erduldungen,
• allen unseren Vereinsmitgliedern für die finanzielle und ideelle Unterstützung unserer Arbeit,
• und zu guter Letzt, dafür aber umso herzlicher, den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses und hier vor allem meinen Freund Karl Wurzer, der für die unzählig angefallenen Arbeiten immer wieder und ohne Murren einsatzbereit war.

Herzlich danke ich auch der Bläsergruppe Vögelsberg für die musikalische Umrahmung.

So dürfen wir mit Zuversicht hoffen, dass wir mit der Realisierung dieses Projekts nicht nur der einheimischen Bevölkerung ein Stück unserer Geschichte und Heimat näher bringen, sondern darüber hinaus auch für alle Gäste aus Nah und Fern einen touristischen Anziehungspunkt in dieser Region schaffen konnten.

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